Farbmarkierungsversuche an den Röllfelder Trinkwasserbrunnen

von Alexander Bils

Schadstoff aus nahen Altdeponien?

Klingenbergs Brunnen Jetzt also doch! Im Behördengespräch ist den Klingenbergern erlaubt worden, was bisher untersagt war: Sie dürfen mit Farbmarkierungsversuchen prüfen lassen, ob ihren beiden Brunnen in Röllfeld aus nahen Altdeponien Wasser zuströmt, was den festgestellten Schadstoffeintrag erklären könnte. Mit großer Mehrheit entschied sich der Stadtrat am Dienstag dafür.

Schließung der Anlage droht
Trotzdem drohe die Schließung der gesamten Anlage, und Klingenberg müsste sich dann um eine neue Wasserversorgung kümmern: ein schwieriges und sehr teures Unterfangen. Darauf wies Bürgermeister Ralf Reichwein hin. Er drängte deshalb darauf, die Markierungsversuche zu beschließen, die Geologe Klaus März (Heidenheim) erläuterte. Wenn das Ergebnis so ausfalle wie auch von März erwartet, sei das für Klingenberg eine große Argumentationshilfe, denn dann sei nachgewiesen, dass die drei Altdeponien Röllfeld, Linsenrain und Altweiher die Brunnen nicht negativ beeinflussen.

Wird man das im Gesundheitsamt genauso sehen? Daran hatten einige Ratsmitglieder ihre Zweifel. Gegen die Markierungsversuche sprachen sich zwei Räte der Grünen aus. Einbringen von Fremdstoffen ins Grundwasser sei abzulehnen, auch wenn sie als unbedenklich gelten, so Willi Stritzinger. Mit Harald Fischmann war er sich einig: Es entstünden nur Kosten, aber nichts sei gewonnen, wenn die Altdeponien als Schadstoffverursacher ausscheiden: »Das Blei im Wasser war trotzdem da!« Dann sei erst recht die Frage, wo es herkam. Stritzinger fand es an der Zeit, dass ein Gericht entscheidet, ob die Stadt ihre Brunnen weiter nutzen darf.

Für die bisher harte Haltung des Landratsamts hatte Udo Ackermann (FWT) kein Verständnis: »Will man etwa von eigenen Problemen ablenken?« Ähnlich äußerte sich Steffen Scholz (FWKR): »Der Kreis spielt eventuell auf Zeit.« Beide sind für die Markierungsversuche, spielten aber auf die frühere Kreismülldeponie östlich von Großheubach an. Bisher werde ausgeschlossen, dass Grundwasser von dort in den Einzugsbereich der Röllfelder Brunnen strömt, aber bewiesen sei das nicht.

Fridolin Bachmann (FWKR): »Auch hier sind Untersuchungen notwendig, das Landratsamt wird sich nicht verschließen können.« Geologe März hält einen Einfluss der Kreismülldeponie auf die Brunnen wegen der klüftigen Besonderheiten des Buntsandsteins für denkbar. Dem nachzugehen, sei aber schwierig, weil es bisher keine Grundwassermessstellen gebe.

Untersuchungen ausweiten
Östlich von Großheubach in einem Tälchen ist ein Brunnen aufgegeben worden. Anette Rüttger (Grüne) plädierte dafür, auch dort einen Markierungsversuch vorzusehen. Dies alles soll beim nächsten Behördengespräch thematisiert werden.

»Weichklopfen lassen wir uns nicht«, so Thorsten Meyerer (SPD) zu einer Vermutung von Udo Ackermann. Ein gewisses Entgegenkommen des Landratsamts sei aber feststellbar mit dem Ja zum Markierungsversuch. Ralf Reichwein ergänzte: Auch den Bau einer Schwermetall-Fällungsanlage schlössen die Behörden nicht mehr kategorisch aus.
Barbara Schmidt

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