Massives Gebäude am Damm

von Alexander Bils

Stadtrat Klingenberg: 11:7 Stimmen für Bauantrag Pflegezentrum - Kein Hotel, kein pflegenahes Wohnen

Es gibt kein Zurück mehr. Die rhetorische Schlacht am Maindamm ist geschlagen. Gebaut wird ein Seniorenpflegezentrum mit 77 Plätzen; dem Bauantrag erteilte der Stadtrat am Dienstag mit 11:7 Stimmen das Einvernehmen. Teil II und III ihres ursprünglichen Vorhabens - ein Hotel und ein Gebäude für pflegenahes Wohnen - verwirklichen die Investoren voraussichtlich nicht.

Ende der Woche werden die fünf Häuser in der Wilhelmstraße abgerissen sein. Denkbar wäre, auf der Freifläche Parkplätze zu schaffen.

Die massive Bebauung am Maindamm war und ist in Klingenberg heftig umstritten. Befürworter sehen einen großen Schritt für die positive Stadtentwicklung, Gegner machten sich für den Erhalt der Grünzone stark und befürchten ein Verschandeln der Altstadt-Ansicht.

Bebauungsplan beschlossen
Ein Bebauungsplan, der die Dammbebauung ermöglicht, wurde beschlossen. Mehrfach haben die Investoren Jürgen Braun und Cornelius Schrenk wegen der Einwände von Bürgern und Stadtrat umgeplant. Ergebnis: ein Kompromiss, der nun im Gremium keinen ungeteilten Beifall, aber eine Mehrheit fand.
»Die Investoren sind uns entgegengekommen«, sagte Bürgermeister Ralf Reichwein bei Vorlage des Bauplans. Im Gebäude sei nun komprimiert alles Notwendige untergebracht. Verzichtet werde auf die so scharf kritisierte Bebauung der Tiefgarage, ebenso auf die südlichen Vorhaben.
Reichwein verlas ein Fax der Investoren: Diese sind überzeugt, das Pflegeheim werde ein Gewinn für Klingenberg sein und zur Belebung des Stadtkerns beitragen. 100 Arbeitsplätze würden geschaffen. Braun und Schrenk wollen »ein Zeichen bei der Bevölkerung setzen, wir hoffen auf mehr Akzeptanz.« Der Bauantrag des Zentrums für Langzeit- und Kurzzeitpflege, erstellt von GbR Braun (Lahr), sieht ein Gebäude von 54,50 Metern Länge vor, das von Trennfurt aus gesehen drei, von der Brückenstraße her (Zufahrt) vier Geschosse hat. Nach Abrissarbeiten (früherer Opel Arnold) im Januar/Februar 2015 soll gebaut werden.
Die erhoffte Akzeptanz war aber nicht einmal im Stadtrat herzustellen. Selbst Befürworter taten sich schwer mit ihrem Ja. Thomas Wechs (CSU). »Es wird nicht das schönste, aber auch nicht das hässlichste Gebäude der Stadt.«
Bei Willi Stritzinger (Bündnis 90/Die Grünen) überwiegt die Freude, dass die Tiefgarage nicht bebaut wird. Das Haus hätte er sich allerdings »ein wenig schöner« vorgestellt. Ein Kompromiss eben - ihm zuzustimmen, dafür plädierte auch Thorsten Meyerer im Namen der SPD, »wir müssen diese Chance zur Stadtentwicklung ergreifen.«
Therese Stendel (CSU) nahm kein Blatt vor den Mund: »Hässlich und klotzig« findet sie den geplanten Bau; Reiner Wöber (FWT) lehnte ihn als viel zu massiv ab wie zuvor schon den B-Plan. »Geknebelt« sei der Stadtrat durch Beschlüsse des Vorgängergremiums, bedauerte Sigrun Imhäuser (CSU).
Scharf kritisierte Udo Ackermann (FWT), die vorgelegte Planung entspreche keineswegs dem ursprünglichen Vorhaben, für das auch er geworben habe. Sie sei keine Bereicherung, sondern eine Hypothek für die Stadt, »ich fühle mich getäuscht.« Seinem Vorschlag, den Bauantrag abzulehnen und mit den Investoren noch Verbesserungen auszuhandeln, folgte die Mehrheit der Kollegen aber nicht.
Die Räte diskutierten auch lebhaft über absehbare Parkplatznöte. Laut Bauordnung müssten für das Pflegezentrum nur acht Stellplätze vorgehalten werden, zehn würden bereitgestellt, erklärte der Bürgermeister.
Sigrun Imhäuser rechnete vor, nach Wegfall von 51 Stellplätzen auf dem Damm sowie wegen des Heim-Personals und der künftigen Besucher gebe es einen Bedarf von 100 Parkplätzen.
Ralf Reichwein: Wenn Hotel und pflegenahes Wohnen realisiert worden wären, hätten die Investoren bedeutend mehr Stellplätze nachweisen müssen. »Jetzt wird der Stadtentwicklungsausschuss zu entscheiden haben, wo wir Parkraum schaffen.«
Denkbar wäre das zum Beispiel an der Wilhelmstraße, wo momentan mit dem Abriss von fünf Häusern Freifläche entsteht. Horst Heuß (FWT) und Thomas Wechs sagten voraus: Das werde die Stadt einiges Geld kosten.
Barbara Schmidt

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