Krankenhaus Miltenberg

von Alexander Bils

Landkreis Miltenberg - Sorge um die Sicherheit der wohnortnahen, stationären Versorgung im südlichen Landkreis Miltenberg

Hallo, hier einen Brief vom Gesundheitsministerium bezüglich des Krankenhaus Miltenberg

 

Sehr geehrter Herr Dr. Steck,

nochmals vielen Dank für lhr Schreiben und die fast 6.000 Unterschriften, welche Sie mir am 28.11.2014 anlässlich meines Besuchs im Landkreis Miltenberg Überreicht haben. Dies zeugt von lhrem Engagement und dem großen lnteresse der Bürgerinnen und Bürgern an der Zukunft der stationären Versorgung im Landkreis Miltenberg.

Zu lhrem Anliegen kann ich lhnen Folgendes mitteilen:

Der Bayerische Krankenhausplanungsausschuss hat sich in seiner letzten Sitzung am 01.12.2014 mit den beabsichtigten Strukturmaßnahmen befasst und unter Berücksichtigung folgender Gesichtspunkte ein zustimmendes Votum zu dem Antrag des Krankenhausträgers abgegeben.

Durch Aufgabe der Fachrichtung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) beim Krankenhaus Miltenberg durch den Krankenhausträger entsteht kein Versorgungsdefizit im Landkreis. Die drei Belegbetten für HNO am Krankenhaus Miltenberg waren im letzten Jahr nur noch ganz gering ausgelastet. In den ersten neun Monaten 2014 sank die Zahl der HNO-Patienten am Krankenhaus Miltenberg weiter. lm Vergleich zum Jahr 2009 ist die Zahl der HNO-Patienten um über 40 % zurückgegangen. Von allen im Landkreis Miltenberg wohnenden HNO-Patienten, die im letzten Jahr zur stationären Behandlung bayerische Krankenhäuser aufgesucht haben, nahmen lediglich knapp 13% dafür das Krankenhaus Miltenberg in Anspruch. Diese Umstände haben den Bayerischen Krankenhausplanungsausschuss zu der Einschätzung gebracht, dass die Klinik Miltenberg für die stationäre HNO-Versorgung im Landkreis nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt und somit durch die Entscheidung des Krankenhausträgers keine Versorgungslücke entsteht.

 lm Übrigen wurde Ihnen und Herrn Dr. Schmitt als HNO-Belegärzten an der Klinik Miltenberg angeboten, die belegärztliche Versorgung im Landkreis Miltenberg am Krankenhaus Erlenbach fortzuführen. Aufgrund der bestehenden Hauptabteilungen inklusive einer lntensivstation ist dort eine bessere Beherrschbarkeit von Komplikationen, wie z.B. unerwarteten Nachblutungen, gegeben.

lnwieweit bei den beabsichtigten Veränderungen eine angestrebte Umsatzrendite eine Rolle gespielt hat, konnten mangels Kenntnis weder das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege noch der Bayerische Krankenhausplanungsausschuss beurteilen. Gleiches gilt auch für die Frage, ob und ggf. welche Zusicherungen früher, insbesondere beim Übergang in eine private Trägerschaft, von Trägerseite abgegeben und in welchem Umfang sie eingehalten wurden.

lm Mittelpunkt der Überlegungen des Bayerischen Krankenhausplanungsausschusses stand vielmehr die Frage, ob mit den vorgesehenen neuen Strukturen eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung im Landkreis entsprechend den Vorgaben des Bayerischen Krankenhausgesetzes (BayKrG) sichergestellt bleibt bzw. welche Vor- und Nachteile sich aus den Strukturveränderungen ergeben.

lnsoweit ist auch auf Art. 3 Abs. 2 BayKrG hinzuweisen, wonach die Krankenhausplanung auf wirtschaftliche Strukturen bei der bedarfsgerechten Versorgung durch medizinisch leistungsfähige Krankenhäuser hinwirkt, wobei die Zusammenarbeit der Krankenhäuser mit dem Ziel der Bildung von Behandlungsschwerpunkten im Einzugsbereich unterstützt wird. Der Bayerische Krankenhausplanungsausschuss war der Auffassung, dass die nicht mit einem Verlust an Krankenhausbetten für lnnere Medizin einhergehende Konzentration der stationären internistischen Versorgung auf die Klinik Erlenbach zu einer höheren medizinischen Leistungsfähigkeit führt, da dort die gesamte medizinische lnfrastruktur genutzt werden kann und verschiedene medizinische Fachdisziplinen interdisziplinär zusammenarbeiten können. Diese Qualitätsverbesserung soll zugleich zu einer langfristigen wirtschaftlichen Sicherung der beiden Standorte Miltenberg und Erlenbach beitragen.

Auch die Konzentration der Notfallversorgung auf das Krankenhaus Erlenbach sah der Bayerische Krankenhausplanungsausschuss unter Qualitlätsaspekten als begründet an. Schon jetzt werden Notfallpatienten aus dem Miltenberger Raum mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder schweren Unfallverletzungen in das nur etwa 17 Kilometer entfernte und damit von Miltenberg aus in rund 20 Minuten erreichbare Krankenhaus Erlenbach gebracht. Dort sind ein Herzkatheterlabor für lnfarktpatienten, ein Anschluss an das Netzwerk zur Behandlung von Schlaganfallpatienten TRANSIT und ein zertifiziertes örtliches Traumazentrum zur Behandlung von Unfallpatienten vorhanden.

Die Versorgung stationärer Notfälle im gesamten Landkreis bleibt sichergestellt. Dabei wird die ggf. weitere Wegstrecke für Patienten aus dem südlichen Landkreis, wie aus dem von lhnen erwähnten Kirchzell, durch die deutlich besseren strukturellen und personellen Ressourcen am Standort Erlenbach kompensiert. Auch der Rettungsdienst im BRK-Kreisverband Miltenberg-Obernburg hat gegen die Neustrukturierung der Notfallversorgung keine Einwände erhoben. Ein Vorteil dieser Neustrukturierung sei, dass jetzt für den Rettungsdienst noch klarer sei, wohin die Patienten

gebracht werden können. Der Rettungsdienst müsse im Einzelfall nicht mehr selbst beurteilen, ob ein Patient in der Klinik Miltenberg versorgt werden könne.

Der Bayerische Krankenhausplanungsausschuss hat bei dem jetzt vorgestellten Konzept auch berücksichtigt, dass bei der Klinik Miltenberg die Fachrichtungen Chirugie, Gynäkologie und Urologie erhalten bleiben. Eine belegärztliche Versorgung in diesen Fachgebieten ist daher weiterhin sichergestellt.

lch bitte Sie um Verständnis, dass es bei dieser Sachlage keine Argumente gab, die es dem Bayerischen Krankenhausplanungsausschuss nahegelegt hätten, ein anderes Votum zu den beabsichtigten Strukturmaßnahmen abzugeben.

Den Abgeordneten Berthold Rüth MdL und Dr. Hans Jürgen Fahn MdL lasse ich einen Abdruck meines Antwortschreibens zukommen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Melanie Huml MdL

Staatsministerin

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